Dittelsheim besaß bereits zur Zeit der Einführung der Reformation eine „Allen Heiligen" geweihte Pfarrkirche. Diese Kirche fiel bei der pfälzischen Kirchenteilung im Jahre 1705 den Reformierten zu. War die Kirche nach dem Baubuch des Amtes Alzey im Jahre 1587 noch in „unclagbarem Bau", muss sie 150 Jahre später derart ruinös gewesen sein, daß sie im Jahre 1729 niedergelegt und ein Kirchenneubau begonnen wurde, der im Jahre 1730 vollendet war.
Leider finden wir über den Bau, die Grundsteinlegung und Einweihung der Kirche im Kirchenarchiv keine Unterlagen. Bei meinen Nachforschungen im Gemeindearchiv Dittelsheim stieß ich mehr zufällig auf eine Reihe interessanter Angaben über den Kirchenneubau in den Jahren 1729/30.
Bereits im Jahre 1715 steigerte Oswald Dietz „den kleinen Abbruch auf der Kirch" für 24 Kreuzer, während Johannes Deforth den schweren Abbruch" für 49 Kreuzer ersteigerte. "Als der erste Stein an der Kirch ist gelegt worden", bezahlte die Gemeinde lt. Baumeisterrechnung für das Jahr 1730 den vier Maurern einen Laib Brot und 2 Käse für zusammen 16 Kreuzer. Um den Kirchturmbogen zuzumauern wurden 100 Backsteine zum Preis von 40 Kreuzer benötigt. Für den Turm zuzumauern und für die Strebe an der Kirche wurden nach Monzemheim für Steine 7 Gulden und 22 Kreuzer, für 34 Malter Kalk 5 Gulden und 40 Kreuzer zuzüglich 14 Kreuzer Meßgeld gezahlt. Die Maurer erhielten 20 Gulden. Für den Richtkranz auf der Kirche zahlte die Gemeinde im August 1730 sechsunddreißig Kreuzer. Die Einweihung der Kirche dürfte also Ende August/Anfang September 1730 gewesen sein und wurde somit als Kirchweihfest oder „Kerb" bis in die jüngste Vergangenheit Anfang September jeden Jahres gefeiert. Zur Einweihung wurde damals das Kirchhofstor frisch gestrichen. Als die Maurer „Abschied genommen von der Kirchenarbeit" wurden 1/2 Viertel Wein zu 16 Kreuzer getrunken.
Der Neubau der Kirche fällt in die Amtszeit des Pfarrers Johann Christoph Porlock (1728 -1735). Er bescheinigt am 26. Februar 1728, dass „die Gemeinde ihm bei seiner Vorstellung die übernommene und gehaltene Mahlzeit" richtig mit 5 fl und 6 Maß Wein bezahlt hat. Reformierter Schuldiener war Michael Uhink, der für das Jahr 1730 an Schulbesoldung 12 Gulden und für das Ein-Uhr-Läuten einen Gulden und 10 Kreuzer erhielt. Johann Georg Heck hatte die „gemeine Schmied" gesteigert und zahlte dafür jährlich 3 Gulden. Der "gemeine Bäcker" Wilhelm Frankfurter zahlte für das Backhaus jährlich 6 Gulden. Jacob Deboben, Friedrich Deforth und Philipp Spies betrieben jeder eine Wirtschaft. Der Strohmacher hat 4 Tage Krummet gemacht und erhält 30 Kreuzer pro Tag.
Dem Gericht gehörten an: - Conrath Pabst, churpfalz. Fauth - Hanß Jacob Spieß, des Gerichts - Hanß Adam Neder, des Gerichts - Jacob Deboben, des Gerichts - Nicklas Spiller, des Gerichts - Johann Jacob Scherer, des Gerichts - Philipp Scheier, des Gerichts - Hanß Vilb Spieß, Vorsteher - Caspar Hostermann, Vorsteher
Weiter werden als Einwohner aus dieser Zeit genannt: Paulus de Heck, Mattheis Bollon, Conradt Weber, Johann Jörg Heck, Wilhelm Dörting, Bernhart Klefelt, Marthin Weickcl, Jacob Spieß der Alt, Jörg Spieß, Johannes Heck, Wilhelm Boß, Jacob Spiller, Adrian Lambert, Joh.Peter Wernersbach, Georg Spieß
Heiner Scholl
Quellenachweise: - Gemeindearchiv Dittelsheim - Baubuch für die evangel Kirchen der Provinz Rheinhessen - Hassia Sacra Bd VI |