Vom 16. bis zum 19. Jahrhundert...

 

Dittelsheim besaß zur Zeit der Einführung der kurpfalzischen Reformation im Jahre 1556 eine allen Heiligen geweihte Pfarrkirche. Diese Kirche diente nach Einführung der Reformation ihrer Bestimmung noch etwa 170 Jahre.

Im Jahre 1729 wurde die Kirche - abgesehen vom Turm, der stehen blieb - abgebrochen und mit der Errichtung eines Kirchneubaues begonnen, der 1730 vollendet ward. Diese 1729/30 erbaute Kirche ist noch heute evangelische Pfarrkirche. Sie ist seitdem mehreren Reparaturen unterzogen worden. Die wichtigste war die große Turmreparatur von 1877. Ein kalter Blitzstrahl hatte den Turm getroffen und beträchtlichen Schaden verursacht.Mit großem handwerklichen Geschick wurde der Turm in seiner historischen Form wieder hergestellt. Ein starker eiserner Ring wurde um das neugefügte Mauerwerk gelegt, wodurch der Turm um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden war.


Von dem um die Kirche liegenden Kirchhof ist noch das alte Torhaus mit der spitzbogigen Torfahrt erhalten; der Bogen ist aus stattlichen Quadern gemauert.

Die gesamte Kirchenanlage wurde in den Jahren von 1969 bis 1973 von Grund auf instandgesetzt. Das untere Stockwerk des Turmes wurde wieder räumlich dem barocken Kirchenschiff zugeordnet. Das Erdgeschoß des Chorkirchenturmes (im Osten des Kirchenschiffes) war in gotischer Zeit - wie die als Konsolen dienenden Köpfe erkennen lassen - überwölbt; es diente als Sanktuarium (Altarraum). Die Möglichkeit, dass Dittelsheim im Chorkirchenturm eine Heilig-Grab-Verehrung hatte, ist nicht auszuschließen; ebenso könnte diese Stätte auch Ziel geistlicher Pilgerfahrten gewesen sein.

Die einmalige Orgel wurde 1785 von Friedrich Carl Stumm eingebaut. In das barocke Gehäuse setzten Förster und Nikolaus 1931 ein neues Werk ein.

Die 1765 gedruckte Altarbibel erhält ihre Bedeutung durch folgende Widmung:
"Am Feste der kirchlichen Vereinigung zu Dittelsheim d. 25 sten Dezember 1822 gestiftet von Johann Philipp Winter und dessen Ehefrau Eva Katharina Winter geb. Weickel und Johann Georg Geil sen. und dessen Ehefrau Anna Sibilla Geil geb. Winter".  Eine ehedem lutherische und eine ehedem reformierte Familie bekunden gemeinsam die Dankbarkeit für die Vereinigung der beiden protestantischen Konfessionen in Rheinhessen.

In dem Gebiet, das seit 1816 die "Provinz Rheinhessen" bildet, bestanden vor dem Eingriff französischer Verwaltungsmaßnahmen - also vor 1797 - 30 protestantische Territorialkirchen. Mit 82 Pfarreien hatte das Kurfürstentum Pfalz den größten Anteil. Als das linksrheinische Gebiet an die Republik Frankreich angegliedert wurde und eine neue Einteilung erhielt, brachen mit den Territorien auch die kirchlichen Einrichtungen zusammen. Das französische Kultusgesetz von 1802 bildete die rechtliche Grundlage für die kirchliche Neuordnung. Gestützt auf dieses Gesetz entstand in Rheinhessen die erste "Unionsgemeinde".
In Mainz wohnten Lutheraner und Reformierte; ihre Gottesdienste besuchten sie außerhalb der Stadt. Aber 1802 wurde in Mainz der erste "evangelische" Gottesdienst für Lutheraner und Reformierte gemeinsam gehalten
.1816 bestanden in Rheinhessen 105 Pfarreien, von denen 52 lutherisch und 53 reformiert waren.

Die 300-Jahrfeier der Reformation löste auch in Rheinhessen die Unionsbewegung aus. Nach eingehenden Beratungen und Verhandlungen wurde an Weihnachten 1822 in allen rheinhessischen Gemeinden das Vereinigungsfest gefeiert. An diese Feier erinnert die Ditteisheimer Altarbibel.

Wichtig ist, daß in Rheinhessen - wie auch in der Pfalz - die Konfessionsvereinigung nicht vom Landesherrn angeordnet wurde, sondern durch Abstimmungen in allen Kirchengemeinden zustande kam. Dabei gab es wohl auch Gegenstimmen; aber die Befürworter waren so in der Überzahl, daß die rheinhessische Kirchenunion sich auf die überwältigende Mehrheit der Protestanten stützen konnte.

 

Quellenangaben:

E. Wörner, Kunstdenkmäler des Kreises Worms. 1877. Ergänzt von J.A. Spies aus Dittelsheim. 1975.
0. Böcher, Orientalische Kirchtürme in Rheinhessen.
In: Ärzteblatt Rheinland-Pfalz. Ausgabe 1. Juli 1976. S. 603 ff.
Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler Dehio/Gall: Pfalz und Rheinhessen. 1961. S. 103.
M. Hoinka, Steingedeckte romanische Türme in Rheinhessen. 1965. .

Aufbewahrt im Ev. Pfarrarchiv Guntersblum Hassia Sacra VI 1932. S. 180 - 184.
Hassia Sacra III, 1928. S. 160 - 162.
H. Steitz Der Bekenntnisstand der Ev. Kirche in Hessen und Nassau ;  
In: Gustav Adolf Werk der Ev. Kirche in Hessen und Nassau. 116. Jahresbericht. 1959. S. 3 - 32.

 








 

 

 

Evangelische Kirchengemeinde Dittelsheim-Heßloch-Frettenheim | Pfarrerin Rita Schaab ev-ki-di-he-fre@gmx.de